Das Smartphone war nicht die Weiterentwicklung der Wählscheibe

Genauso wie die Glühbirne nicht die Kerze evolutioniert hat und der Otto-Motor nicht das Zugpferd 2.0 war. Ideen wie diese gab es schon lange bevor ein neues Schlagwort in den Wirtschaftsforen die Runde machte: Disruption. 

Heute ist dieses Phänomen längst nicht mehr auf singuläre Ereignisse beschränkt, denn wir leben in einer Zeit, in der Veränderung an der Tagesordnung ist. Neue Ideen und Techniken und die daraus oft resultierenden revolutionären Möglichkeiten schießen aus dem Boden wie Pilze nach einem warmen Herbstregen – mit oft gravierenden Konsequenzen. Disruption bedeutet nämlich auch verabschieden, einen Tod sterben um etwas komplett Neues ins Leben zu rufen, etwas das etablierte Ideen sukzessive verschwinden lassen kann. Was also auf der einen Seite neue Geschäftsfelder und exponentielles Wachstum kreiiert, löst auf der anderen das (bestenfalls langsame) Sterben alter Strukturen und Gewohnheiten aus.

Daraus die richtigen Schlüsse für sein Unternehmen zu ziehen, wird immer wichtiger. Und das nicht erst in Zukunft, sondern jetzt! Lassen Sie mich dazu etwas tiefer ins Thema einsteigen und zwei Formen der Disruption unterscheiden:

Die inkrementelle Disruption:

Sie ist meist auf die Optimierung bestehender Prozesse und Abläufe ausgelegt.

In jüngerer Zeit waren dies in erster Linie der Ausbau der Verkaufskanäle durch Online-Shopping, die Erleichterung und Optimierung bestehender Prozesse durch den Einsatz innovativer Technik, zum Teil durch Apps oder die verbesserten Möglichkeiten der Kollaboration durch Cloud-Technologien, etc.

Die fundamentale Disruption:

Sie stellt bestehende Geschäftsmodelle auf den Kopf, so wie die mittlerweile häufig zitierten Beispiele Uber oder AirbnB. Oder sie schafft völlig neue Zweige in einer Industrie oder Branche, wie zum Beispiel für die Automobilindustrie das Car Sharing oder für eine klassische Druckerei, die auf die Produktion individualisierter Fototapeten umstellt.

Wodurch entsteht Disruption?

Generell wird Disruption auch durch exogene Faktoren gefördert und gefordert: Strukturwandel, gesellschaftliche Veränderungen oder Umweltbewusstsein. Das daraus entstehende Verbraucherverhalten zwingt Unternehmen, ihre bisherige Ausrichtung zu überdenken, bevor branchenfremde – meist junge – Unternehmen, die freien Felder besetzen. Aber auch Faktoren wie rückläufige Marktentwicklungen, Verdrängungswettbewerb, Kostendruck und andere Dinge, die Unternehmer schlecht schlafen lassen, sind ein idealer Nährboden für neue Ideen und damit für disruptive Ansätze.

Wie kommt man auf disruptive Ideen?

Es sind die kreativen Quer- und Schnelldenker, die unbelastet von bestehenden Strukturen und Prozessen Ideen entwickeln, die angestammte Branchen mindestens zum Umdenken zwingen, sie im schlimmsten Falle vernichten.

Als Ingvar Kamprad sein Ikea gründete, war er gerade mal 17 Jahre alt und denkbar unerfahren. Doch als er 1956 die ersten eigens für IKEA entworfene Möbel als Bausatz verschickte, hatte er damit ein disruptives Modell ins Leben gerufen, eine Art Weckruf für die gesamte Möbelbranche. Kamprad hatte damit die normalerweise so aufwendige und kostenintensive Endmontage einfach auf den Verbraucher übertragen und ihn dafür doppelt belohnt: mit kleinen, leicht zu transportierenden Verpackungen und mit sozialverträglichen Preisen für zum Teil sehr eigenständige Möbel- und Designideen.

Die digitale Revolution, angefeuert von den Innovationen des Silicon Valley und ihren Anhängern, hat Chancen wie diese potenziert. Neue technische Möglichkeiten sind heute ein ungeheuer potenter Treiber für disruptive Ideen.

Was könnte ein realistischer Ansatz für mein Unternehmen sein? 

Die Antwort steht in keinem der unzähligen Foren, die sich in epischer Breite mit dem Thema auseinandersetzen. Warum nicht? Weil sie absolut individuell ist und wahrscheinlich im Kern des Unternehmens und in dem dazu passenden „innovativen“ Ansatz liegt.

Was bedeutet das für heute erfolgreiche Unternehmen?

Möglicherweise, dass sie es in Zukunft nicht mehr sind. Zumindest dann nicht, wenn sie sich nicht rechtzeitig mit Ideen und Möglichkeiten für neue Produkte, Services, Prozesse oder Geschäftsmodelle auseinandersetzen.

John Chambers, Cisco Gründer, brachte es unlängst auf den Punkt: „40% unserer Kunden wird es in 10 Jahren nicht mehr geben. Das werden vor allem die sein, die heute erfolgreich sind.“

In einer BCG-Studie aus dem Frühjahr 2016 ist zu lesen, dass 80% der deutschen Unternehmen überzeugt sind, bereits jetzt auf die digitale Transformation gut vorbereitet zu sein. Wenn sich das nicht nur auf das Scannen der Eingangspost bezieht, darf man optimistisch sein.

Mein persönliches Credo: Unternehmen müssen sich heute in die Lage versetzen, festgefahrene Denkweisen zu verlassen. Wer sich neu inspirieren läßt, wird die notwendige Geschwindigkeit für eine nachhaltige Zukunftsausrichtung aufnehmen.

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