Ein Friedensangebot von Gastautor Prof. Dr. Andreas M. Stockert

Warenlager quellen über, Lieferketten sind voll von Ware, eine Preis- und Rabattschlacht jagt die andere. Der Konsument verhält sich unberechenbar und sucht den günstigsten Anbieter bequem übers Internet.  

Selbst Markentreue ist immer weniger zu spüren. Dieser extreme Wettbewerb führt zu Umsatzverlust und Margenverfall. Eigentlich müssten alle Player kräftig in die Digitalisierung investieren, um weiterhin im Geschäft zu bleiben. Doch woher sollen vor diesem Hintergrund die Mittel für den Erhalt und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen kommen?

Werttreiber Supply Chain

Ein zentraler und von vielen Unternehmen immer noch nicht hinreichend erkannter Hebel liegt in der eigenen Supply Chain. Durch die gezielte und professionelle Ausschöpfung von Potenzialen entlang der Supply Chain lassen sich Umsatz und Profitabilität der Unternehmen spürbar und nachhaltig verbessern.

Die ersten Möglichkeiten effizienter zu arbeiten zeigen sich in der Supply Chain direkt nach der Produktion. Durch eine geschickt gestaltete Kommissionierung der produzierten Ware auf Läden oder Warenträger herunter gebrochen kann ein Cross Docking über die gesamte Lieferkette von der Source bis auf die Ladenfläche gewährleistet werden. Dies spart Kosten und Zeit. Gestraffte Prozesse machen die Belieferung günstiger und die Ware kommt schneller zum Konsumenten. Voraussetzung ist jedoch, dass für die Verkaufsflächen professionelle Warenbestückungspläne nach Anzahl, Struktur und Timing erstellt sind, nach denen an der Source kommissioniert wird. Gerade in diesem Punkt hat das Merchandising im Category Management noch viel Nachholbedarf.

Speed to Market 

Eine angepasste Struktur der Sourcing-Partner und die eng abgestimmte Kommunikation sorgen für Beschleunigung. Warum nicht die lange voraus planbare Erstauslieferungsmenge für den Saisonauftakt in Fernost produzieren und die Nachorder für gut laufende Produkte über flexible europanah angesiedelte Produzenten darstellen? Dazu muss zwischen den Partnern ein enges Datensharing erfolgen, um die Reaktionsgeschwindigkeit zu maximieren. Derjenige, der die frischere Ware am Marktplatz zuerst anbieten kann, wird die Gunst der Konsumenten gewinnen – Nachzügler können sich dann mit ihren Übermengen in Rabattschlachten abgeben.

Zusätzliche Performancesteigerung durch Digitalisierung

Weitere Möglichkeiten in der Supply Chain liegen in der Aufdeckung von Bestandslücken in den Vertriebskanälen, der Reduzierung von Schwund, Diebstahl und Fälschungen im Warenbestand sowie letztendlich in der Customer Experience. Diese gelingt allerdings nur mit digitaler Unterstützung. Durch die itembezogene Identifikation jedes einzelnen Produktes in der Pipeline sind diese Potenziale durch einzelteilbezogene Datenerfassung im Handumdrehen zu heben. Bei jedem Erfassungsvorgang wird jedes Einzelteil mit einem digitalen „Orts- und Datenstempel“ versehen und erzeugt so eine individuelle Daten-Historie für jedes einzelne Teil. Diese Daten können für „track and trace“-Anwendungen genutzt werden und erzeugen eine bisher ungekannte Visibilität der Warenströme. Die exaktere Steuerung der Ware zu den Orten, an denen sie sich am besten verkauft, erzeugt eine deutlich verbesserte Warenverfügbarkeit für den Konsumenten. Höhere Bons durch gesteigerte Convertionrates und mehr Cross-Selling je Einkaufstrip sind die Folge.

Auch die SOPs von outgesourcten Dienstleistungen lassen sich auf dieser Datenbasis genauestens monitoren und abrechnen. Zusätzlich sind die generierten Daten für Zahlungs- und Verzollungsvorgänge nutzbar – das empfangende Unternehmen bezahlt und verzollt dann nur die Ware, die es wirklich erhält. Ein weiterer Effekt besteht in der durch die Digitalisierung ermöglichte „permanenten Inventur“ von der Source bis zum Ladentisch in Echtzeit. Damit entsprechen die Daten im ERP-System den wirklichen Beständen, wo immer sie sich in der Supply Chain befinden.

Und last but not least: Das Kaufverhalten der Konsumenten insbesondere im stationären Vertriebskanal wird transparent – online ist dies ohnehin schon der Fall. Daraus können Schlussfolgerungen für eine Optimierung des Warenangebotes je Vertriebskanal, der örtlichen und zeitlichen Platzierung der Ware, der Unterstützung von Services und vieles mehr abgeleitet werden. Letztendlich steigt die Kundenzufriedenheit und -Loyalität.

Steigerung des Unternehmenswertes durch professionell gestaltete Supply Chains

Die in dieser und ähnlicher Form optimierten Supply Chains haben zu nachweislich positiven Effekten für die jeweiligen Geschäftsmodelle geführt: Abhängig von der Warengruppe werden Umsatzzuwächse von 3 bis 12 Prozent realisiert. Lead times werden bis zu 50% verkürzt. Mehr verkaufte Ware zu Vollpreis reduziert die Abschriften und Restanten und erhöht neben dem Einfluss von Kosteneinsparungen in der Supply Chain die EBITDA-Rate zwischen 3 bis 5 %-Punkte. Die dafür notwendigen Investitionen in die Digitalisierung amortisieren sich innerhalb von 9 bis 24 Monaten, je nach Ausgangslage und Umsetzungsexpertise des Unternehmens.

Prof. Dr. Andreas M. Stockert 

ist InnoWAYtion-Expert in unserem Netzwerk.

Aus seiner Beratertätigkeit, unter anderem für Roland Berger Strategy Consultants und Kurt Salomon Associates, sowie seiner praktischen Managementerfahrung bei Charles Vögele, Kühne+Nagel sowie Hugo Boss entstand eine wertvolle Expertise zur Gestaltung des Supply Chain Managements insbesondere in Bezug auf Prozessoptimierung durch Digitalisierung.

Stockert Consulting Associates steht für innovatives Prozessdesign und die Implementierung von prozessrelevanten IT-Tools zur Optimierung der Supply Chain Performance. Dafür erhielt er den RFID Journal Award für die beste RFID Implementierung weltweit.

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